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12 Schadschwellen / Toleranzschwellen

Jede Prognose einer Krankheitsentwicklung muss zu einer ökonomischen Prognose des wahrscheinlichen Ertragsverlustes führen, um für den Praktiker sinnvoll zu sein. Die Schwelle der Befallsintensität, nach deren Überschreitung sich eine Bekämpfung ökonomisch lohnt, nennt man wirtschaftliche Schadensschwelle. Eine strikte Auslegung der Bedeutung des Wortes Schadensschwelle führt zu nicht sinnvollen Bekämpfungen, da demzufolge versucht wird jeden Schaden zu verhindern unabhängig von den Bekämpfungskosten. Um dieser Gefahr auszuweichen, sollte eher der positive Begriff Toleranzschwelle verwendet werden. Dabei stellt man die Frage, wieviel Befall durch ein Pathogen toleriert werden kann, bevor ein Eingreifen notwendig wird. Diese Formulierung geht auch Richtung Minimalisierung der Inputs.

Direkte und indirekte Bekämpfungskosten müssen niedriger sein als der Wert des erzielten Mehrertrages. Deshalb müssen berücksichtigt werden: Entwicklungsstadium der Pflanzen, Altersresistenz, Toleranz, Lage des Feldes oder der Anlage, erwarteter Ertrag und andere Faktoren von untergeordneter Bedeutung. 

12.1 Der Ertrag

Der Ertrag ist das messbare Produkt einer Kultur. Ein Ertragsverlust ist die Reduktion dieses Ertrages, entweder in Qualität oder Quantität. Der Ertragsverlust ist nach Fig. 12.1 als Unterschied zwischen heutigem und möglichem Ertrag definiert. Faktoren wie ungenügende Düngung, schlechte Bodenbearbeitung, schlechtes Saatgut und Befall durch Schädlinge und Pathogene sind dafür verantwortlich. Der wirtschaftliche Ertragsverlust ist der Unterschied zwischen ökonomischem Maximum und heutigem Ertrag. Zur Verkleinerung der Differenz zwischen diesen zwei Erträgen dienen z.B. Pflanzenschutzmassnahmen. Um aber die richtigen Massnahmen zu treffen, müssen die ökonomischen Grenzen bekannt sein. Das bedeutet, der wirtschaftliche Ertragsverlust muss bekannt sein. Oft wird diese fundamentale Regel vergessen und die Erträge werden, ungeachtet der Kosten, immer mehr dem technischen Maximum angenähert. Dies ist nicht nur in entwickelten Ländern der Fall. Diese Konzepte werden auch exportiert, was zu grossen Fehleinschätzungen führen kann, hauptsächlich bei geringem Wert der Kultur oder des Mehrertrags.  

12.2 Einfluss des Ertragniveaus

Die Ertragsverluste werden in % der erwarteten Ernte geschätzt. Die Behandlungskosten gegen Schaderreger sind aber unabhängig von der zu erwartenden Ernte. Die folgende Tabelle zeigt ein Rechnungsbeispiel bei Getreide, unter der Annahme, dass ein kg Getreide einen Erlös von Fr. l.- bringt und dass neben den Bekämpfungskosten keine weiteren Spesen zu erwarten sind.

Falls der zu erwartende Mehrertrag die Bekämpfungskosten in % des Ertrags übertrifft, lohnt sich der Einsatz finanziell für den Pflanzer. Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass sich mit zunehmendem Ertragsniveau eine Bekämpfung immer mehr lohnt.

12.3 Einfluss des Entwicklungsstadiums der Pflanze

Für die sinnvolle Durchführung einer Behandlung kann natürlich nicht bis zur Ernte gewartet werden, um die Befallsstärke festzustellen. Ein relativ kleiner Befall zu einem frühen Zeitpunkt kann gleich viel Schaden verursachen wie ein starker Befall am Ende der Saison. Demzufolge ist der Moment der Befallsaufnahme von Bedeutung. Wie wir schon in Kapitel 11 gesehen haben, ist ein frühes Unterbrechen der Epidemie am sinnvollsten.

Je später eine Behandlung durchgeführt wird, desto grösser kann die Befallsstärke sein, bevor die Schadensschwelle überschritten wird (Fig. 12.2). Ab einem gewissen Zeitpunkt lohnt sich eine Behandlung überhaupt nicht mehr, da keine Ertragssteigerung mehr zu erwarten ist. Bestimmen der Toleranzschwellen Verlustschätzungen und Festlegen von Toleranz-(Schadens-?)schwellen, können wie folgt durchgeführt werden: l - Erfahrung und Machtwort einer Person. Wenn keine wissenschaftlichen Daten vorhanden sind, kann es nicht angefochten werden. Die Schätzung ist eventuell genau, kann aber auch von subjektiven Faktoren stark beeinflusst sein. 2 - Umfrage bei Bauern und Beratern. 3 - Feldexperimente: Sie sollten so weit wie möglich den normalen Bedingungen entsprechen. Der eigentliche kritische Fehler liegt meist bei der Inokulumsdichte: mangels genügend Abstand zwischen Kontrolle und Verfahren und wegen zu kleiner Parzellen. Nebenwirkungen wie Steigerung des Ertrags, unabhängig vom Befall und verursacht durch Wirkstoffe in den sauberen Kontrollparzellen, müssen berücksichtigt werden. 4 - Vorhersagemodelle: Feldexperimente und Literaturangaben dienen zum Erstellen von Modellen, die dann unter unterschiedlichen Bedingungen auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. Sie sollen folgenden Ansprüchen genügen: Einfachheit, Anpassungsfähigkeit, kleine Computerkosten, einfache und rasche Aufnahme der nötigen Daten im Feld, Unabhängigkeit der Datenaufnahme in Bezug auf die Person und ihre Ausbildung.

 

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© 2013 ETH Zurich | Imprint | Disclaimer | 19 April 2011
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