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3 Definitionen

3.1 Der Lebenszyklus

Ein Pathogen entwickelt sich nach bestimmten, meistens klar abgrenzbaren Phasen. Landung auf dem Wirtsgewebe des Vermehrungspartikel, Keimung, Eindringen, Ausbreiten im oder auf dem Wirt, Sporulation, Verbreitung der Sporen. Bei vielen pilzlichen Pathogenen kann dieser Zyklus als asexueller Zyklus der der Massenvermehrung des Pilzes dient gelten (Fig. 3.1). Oft haben die Pilze noch einen sexuellen Zyklus der prinzipiell in ähnliche Phasen aufgeteilt wird, wobei oft eine Ruhephase zum Überbrücken der wirtsfreien Zeit oder des Winters eingeschalten wird. 

Fig
Fig. 3.1. Ablauf eines Krankheitserregerzyklus

3.2 Charakterisierung der Epidemien und Massenvermehrung

3.2.1 Mono- und polyzyklische Krankheitserreger und Schädlinge

Krankheiten und Schädlinge können nach ihrer Vermehrungsart und Strategie in zwei Gruppen eingeteilt werden. Die eine Gruppe durchläuft einen einzigen Zyklus während der Lebensdauer des Wirtes oder des befallenen Gewebe (univoltine Arthropoden resp. monozyklische Krankheiten), die andere hingegen ist fähig, mehrere Zyklen in dieser Zeit durchzuführen (polyzyklische Krankheiten).

3.3 Zeiträume

Der Zeitraum einer Epidemie ist in der Regel vom Wirt abhängig und beginnt z. B. beim Überschreiten des Entwicklungsnullpunktes für das Wachstums der Blätter bei einer Blattkrankheit. Im Agroökosystem, räumlich begrenzt auf ein Feld oder Obstgarten, Rebberg usw. kann der Beginn einer Epidemie meistens klar festgelegt werden. Schwierig hingegen wird es bei Krankheiten ausserhalb des Agroökosystems (Kastanienkrebs) und bei mehrjährigen Kulturen und weitgefassten räumlichen Grenzen (Echte Mehltauepidemie Mitte letztes Jahrhundert in Europa). In Folge wird immer vorausgesetzt, dass die zeitlichen und räumlichen Grenzen eindeutig, unmissverständlich festgelegt sind. Für die epidemiologischen Analysen werden nur Dauer der Latenzperiode und Dauer der infektiösen Zeit einer Läsion benötigt. Erst bei der Konstruktion analytischer Modelle und teilweise bei Prognosemodellen werden zusätzliche zeitliche Perioden berücksichtigt und benötigt.

3.3.1 Latenzperiode (p)

Zeitspanne zwischen Beginn der Infektion (Inokulation) und der frühest möglichen Weiterverbreitung. Bei Pilzen vom Haften der Infektion bis Beginn der Sporulation.

3.3.2 Infektiöse Zeit (i)

Zeitspanne, während der eine bestimmte Läsion (oder Teil einer Läsion) sporuliert.

3.3.3 Inkubationszeit

Zeitspanne von Beginn des Infektionsvorgang bis zum Sichtbarwerden der ersten Symptome. In einigen älteren Lehrbüchern wird sie auch gleichzeitig als Latenzzeit definiert. Muss in Modellen verwendet werden, um die Verzögerung zwischen dem zeitlichen Auftreten berechneter neuer Läsionen und denjenigen, die in der Natur sichtbar werden zu kompensieren.

3.3.4 Infektionszeit

Zeitdauer, welche der Pathogen braucht, um ein parasitisches Verhältnis mit dem Wirt einzugehen. Wird oft in Warn- und Prognose-Modellen verwendet. Z.B. Apfelschorf: Anhand von Tabellen (Mills) kann die Dauer der Infektionszeit bei verschiedenen Temperaturen abgelesen werden und mit der Dauer des Vorhandenseins eines Wasserfilms verglichen werden. Der Vergleich ermöglicht das Abschätzen der Wahrscheinlichkeit von Infektionen.

3.4 Geographische Abgrenzung

Die räumliche Abgrenzung muss klar umschrieben sein. Feld, Gebiet, Kontinent usw. Ohne eine klare räumliche Abgrenzung sind die Faktoren, welche von aussen ins System eingreifen, nicht klar von den systeminneren Faktoren abgrenzbar. Bei mehrjährigen Kulturen und im Forst ist dies besonders wichtig.

3.5 Der Befall

Der Befall wird meistens als Anteil der Wirtspopulation, die Symptome aufweist, angegeben. Beim Halmbruch des Getreides Pseudocercosporella herpotrichoides als bodenbürtige Krankheit werden die Anzahl Halme mit Symptomen gezählt. Bei Blattfleckenkrankheiten wird die % befallene Blattfläche anhand von Vergleichsschemen bestimmt oder (EPIPRE) berechnet aus der Korrelation zwischen der Anzahl Blättern mit Symptomen und dem %ualen Blattflächenbefall. Bei der Bestimmung des Befalles als Anteil am Wirt, wird dieser unbewusst auf 1 (100%) normiert (Kap.5).

3.6 Steuervariablen

Faktoren welche in das analysierende System von Aussen eingreifen (Kap 2.5).

 

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© 2013 ETH Zurich | Imprint | Disclaimer | 18 April 2011
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