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Uncinula necator (Schwein.) Burr. Erysiphales, Ascomycetes.
| Das Ursprungsgebiet dieses Pilzes wird in Amerika vermutet. Er wurde 1845 von dort nach England eingeschleppt (endeckt von Tucker, darum zuerst als Oidium Tuckerii beschrieben) und verbreitete sich darauf rasch in ganz Europa (Fig. 4). Der bevorzugte Wirt ist Vitis vinifera, der Pilz kann aber auch die amerikanische V. lambrusca, V. aestivalis, V. rotundifolia, V. rupestris und V. california befallen. |
Fig. 4: Epidemische Ausbreitung des Echten Rebenmehltaues in Europa von 1845 bis 1852 (nach Blumer, 1933) |
Als besonders anfällig gelten Silvaner, Muskateller, Chardonnay,
Cabernet Sauvignon. Die Krankheit tritt regelmässig in allen wärmeren
Gebiete auf, in der Deutschschweiz eher sporadisch, und wird hier im
Gegensatz zur Welschschweiz weniger gefährlich als der falsche Mehltau
eingeschätzt.
Alle grünen Teile können befallen werden. Zuerst wird ein Befall an den
Triebspitzen und an jungen Beeren als mehliger, weiss-grauer Belag
sichtbar. Der Pilz zerstört die Beerenhaut, das Innere wächst weiter.
Die Beeren platzen und die Samen werden sichtbar (Samenbruch). Symptome
auf den Blättern werden meist erst im Juli/August als öliger Glanz und
weiss-grauer Belag auf der Blattoberseite erkennbar. Auf den Trieben
kann man im September dunkelbraun-violette Streifen als Zeichen des
Befalls beobachten.
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Zyklus ( Fig. 5.) Der Pilz überwintert als Mycel zwischen Knospenschuppen der letztjährigen Triebknospen und als Kleistothecien (1) mit 4-8 (in der Regel 6) Asci und
je 8 (oft aber nur 4 bis 7) Ascosporen. Die Rolle der Kleistothecien
ist lang unterschätz worden. In den letzen Jahren ist aber erkannt
worden dass sie auch in nördlichen Gegenden Europas (Deutschland,
nördliche Schweiz) sowie in Kalifornien eine Rolle bei den primären
Infektionen spielen. Die Verbreitung während der Vegetationszeit wird
durch Konidien (2)
gesichert, welche durch Wind verfrachtet werden. Sie keimen bei
Temperaturen zwischen 6-33 Grad Celsius (Optimum je nach Isolat
zwischen 20-27 Grad Celsius) und bei einer relativen Luftfeuchtigkeit
über 80%. Ein Wasserfilm muss für die Keimung nicht vorhanden sein. Je
nach Temperatur beträgt die Inkubationszeit 7-14 Tage; die Latenzzeit ist
ungefähr gleich lang (minimal 5 Tage). Temperaturen über 33 Grad
Celsius töten oder hemmen die Entwicklung von Mycel und Konidien. (Die
Temperaturen auf der Blattober- resp. Blattunterseite können recht
unterschiedlich sein, bedingt durch die Blattexposition Sonne oder
Schatten). Das Mycel ernährt sich mit Haustorien in den Epidermiszellen, bleibt aber ausserhalb des Gewebes (3). Es kann nicht auf totem Gewebe überleben (obligat biotropher Parasit). Direktes Sonnenlicht verlangsamt sein Wachstum, diffuses Licht hingegen fördert es. Konidien, die bei ca. 20 Grad Celsius gebildet werden, sind am vitalsten; darum ist die Krankheit auch besonders gefährlich bei feucht-warmem Maiwetter. |
Fig. 5: Entwicklungszyklus von Uncinula necator. |
Vorbeugend: Reben sollten luftig gezogen werden (Laubarbeit). Mechanischer Schnitt, welcher viele Knospen lässt, könnte das Anfangsinokulum stark erhöhen. Auslauben, zurückhaltende N-Düngung und Wässerung vermindern die Prädisposition.
Chemisch: Da der Pilz oberflächlich wächst, wirken
Mittel, die nicht in das Gewebe eindringen, auch nach einer Infektion.
Hauptsächlich werden Schwefel und Ergosterolbiosynthese-Hemmer
verwendet. Schwefel kann bei höheren Temperaturen (38 Grad Celsius)
Verbrennungen verursachen, allerdings ist seine Wirkung umso besser, je
höher die Temperatur ist.
Normalerweise sind drei Behandlungen notwendig, da sie auch gegen
andere Pilzschädlinge eine gewisse Wirkung haben. Diese spezifischen
Behandlungen werden nach der Blüte, bei Erbsengrösse der Trauben und
schliesslich bei Reifebeginn ("Véraison", Beginn der Verfärbung)
durchgeführt. Häufig wird bei einer Frühjahrsbekämpfung anderer
Pathogene in bekannten gefährdeten Lagen Netzschwefel zugesetzt.
Kupfermittel, eingesetzt zur Plasmopara-Bekämpfung,
haben eine gute Nebenwirkung auf den echten Mehltau, einerseits direkt,
andererseits dank ihrer gewebehärtenden Wirkung, welche
Zellwandpenetration und Ausdehnung im Blattgewebe verlangsamt
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